Leichtes Gepäck – Weg mit dem Scheiss!

Leichtes Gepäck - Weg mit dem Scheiss!

Kennt ihr das? Grad bei ebay alte Sachen für 700 € verkauft. Daraufhin konnte ich mein Storage um die Hälfte verkleinern. Der Mehrplatz im Lager hat mich in den letzten 24 Monaten 2.040 € gekostet. Gleich wegschmeißen wäre günstiger gewesen. Leichtes Gepäck – Lass dich hier inspirieren was noch alles weg kann!

Erster Anlass zum Ausmisten – Ich ziehe aus!

Mitte der 90er Jahre habe ich meinen Eltern eröffnet, dass ich eine Wohnung suche, weil ich ausziehen wollte. “Hurra, wir auch!” riefen meine Eltern freudig. Meine älteren Geschwister waren schon ein paar Jahre auf ihren eigenen Füssen und meine Eltern haben nur drauf gewartet, dass das letzte Kind das Haus verlässt. Nun haben meine Eltern recht schnell ihre neue Wohnung gefunden und sind bereits 3 Wochen vor mir ausgezogen. Schon merkwürdig, wenn die Eltern ausziehen und man selbst noch keine Wohnung hat. Das Haus war schnell verkauft und es war mehr dem Zufall geschuldet, dass ich zum Zeitpunkt der Hausübergabe auch eine Wohnung gefunden habe. Und glaubt mal nicht, dass ich bei meinen Eltern hätte wohnen können. Sie fanden ihren Elbblicktraum und haben als erstes alle Wände rausgerissen und die ganze Wohnung neu aufgeteilt, so dass… [Originalzitat meiner Eltern:] …bloß kein Kind zurückkommen kann!

Kann das weg? Vermisstenanzeige im Stundentakt.

Bei der Auflösung meines Elternhauses wurde schön sichtbar was eine 5-köpfige Familie für Scheiss ansammelt. Die Freude meines Vaters bei der weg-oder-mitnehmen-Frage hat uns schon ein wenig irritiert und so sind die restlichen Familienmitglieder alle Stunde abwechselnd zum Müllcontainer vorm Haus gelaufen und haben die scheinbar wahllose Grobauswahl meines Vaters einer weiteren Nicht-ganz-so-grob-Auswahl unterzogen. Ständig tönten kindergekreischte Vermisstenanzeigen durch das sich leerende Haus: “Hat Papa etwa [bestimmtes Spielzeug/Erinnerungsstück/Kleinmöbel] weggeschmissen?! Noch mehr als 20 Jahre später habe ich das langgezogene “weeeeg!” meines Vaters im Ohr, gefolgt von einem schwungvollen Parabelwurf bunter Kindheitserinnerungen gen verbeultem Schuttcontainer. Mein Vater hat diesbezüglich eine simple Einstellung: Alles was man 1 Jahr lang nicht anfasst, braucht man nicht. Ein revolutionärer Gedanke für die das-kann-man-doch-noch-gebrauchen-Denke der restlichen Familie. Leichtes Gepäck war bei uns zu diesem Zeitpunkt nur mit “b” bekannt.

Und wohin jetzt mit dem ganzen Kram? Ausmisten Stufe 2.

Meine erste Wohnung hatte einen vergleichsweise kleinen Keller. Alles, was ich vor dem Parabelwurf meines Vaters retten konnte, musste also intelligent verstapelt werden. Passte aber trotzdem nicht. Ich trennte mich also von ein paar weiteren Sachen. “Das kann man doch noch gebrauchen…” wurde also um ein “Was hat es für einen Wert?” ergänzt. Alles was theoretisch brauchbar aber wertlos war, kam weg. Im Ergebnis bekam alles ein imaginäres günstig-Wiederbeschaffbar-Etikett aufgebappt, bevor es im Müll verschwand. Erinnerungsstücke durften bleiben und bunte Papierschnipsel zum Basteln wurden mit leeren Buntstiften und Wachsmalstiften, die kleiner als 2,5 cm waren entsorgt. Zu der Zeit formulierte ein Freund einen schönen Satz: “Ich brauche keine Erinnerungsstücke. Ich habe alle Erinnerungen in meinem Kopf und wenn ich etwas vergesse, war es nicht wichtig.” Das bezog er auch auf Fotos.

Auf zum Studieren ins Ausland! Ausmisten Stufe 3.

Der studiumsplatzzusagebedingte (studiums-platz-zusage-bedingt, kennt das Wort denn keiner?), relativ plötzliche Umzug in die Schweiz ließ mir keine lange Planungszeit. Mit Türstehermiene erlaubten meine Eltern nur 2 meiner Kartons den Einzug in ihren Keller, alles andere musste ich mitnehmen, entsorgen oder bei Freunden unterbringen. Vielleicht ein guter Zeitpunkt zu fragen, ob ich seit Mitte der 90er bei irgendwem noch Kartons habe? Die Stufe 3 ist jetzt also um das ehemalige Kinderzimmer bereinigt und durch den Filter eines Auslandsumzugs gegangen. Erstes weniger schweres Gepäck. Ich bin seit dem recht viel umgezogen und habe mich gefreut wenn jeder weitere Umzug noch einfacher und schneller war. Doch je länger man an einem Ort bleibt, desto mehr Mist sammelt sich wieder an. Die Stufe 3 filtert also keine Neuanschaffungen heraus. Übrigens warten meine Eltern seit 20 Jahren noch auf die Abholung von 2 Kartons.

Erstes leichtes Gepäck. Der erste Kontakt mit dem Minimalismus.

Als sich die gemeinsame Wohnung mit meiner Freundin bereits beim ersten Frühstück als Fehler herausstellte, bin ich bis zum Abend bereits wieder mit Sack und Pack in meiner alten Wohnung zurück gewesen. 2 Wochen hatte ich Zeit, bis der Nachmieter meiner bereits gekündigten Wohnung um Einzug bat. Wir tauschen kurzerhand die Wohnungen. Er zog in meine Wohnung ein und ich in seine. Was mich verblüffte war, dass mein Nachmieter in 2 Stunden mit seinem Alleinumzug fertig war, wohingegen wir zu zweit einen ganzen Nachmittag für mein Stufe-3-Gepäck brauchten. Er achtete immer drauf, dass er im Extremfall innerhalb wenigen Stunden seinen Standort komplett wechseln kann. Seine Philosophie begeisterte mich. Das erste Mal fühlte ich die Gene meines Vaters in mir aufleuchten. Alles was man 1 Jahr nicht angefasst hat, braucht man nicht. Weeeeg! Zeit für Stufe 4 – leichtes Gepäck!

Stufe 4 – Optimierung der Habseligkeiten in Richtung Minimalismus

Ich bin nicht wirklich ein Anhänger des Minimalismus aus Kostengründen. Statt die Energie aufs Kostensparen zu setzen, nutze ich die Energie lieber, um mehr Einkommen zu generieren. Für mich bedeutet ein leichtes Gepäck, dass ich mich nicht um mehr Sachen kümmern muss, als notwendig. Aus Spass habe ich sogar mal einen meiner Umzüge mit meinem Smart erledigt. Bilder hierzu gibt es am Ende des Artikels. Doch zurück zu meinen Tipps zur Gepäckerleichterung. Ich gehe beim Ausmisten mittlerweile relativ rigoros vor und stelle mir ein paar recht einfache Fragen.

Entscheidungs-Tipps, ob du etwas noch brauchst oder nicht

Die ersten beiden Fragen sind relativ einfach, aber auch sehr subjektiv. Das Ausmistergebnis ist meist sehr launenabhängig. Natürlich kann man dies oder das immer noch mal gebrauchen und es wäre schade wenn was nicht mehr da wäre, aber muss ich dies oder das wirklich behalten? Zur Objektivierung meiner Entscheidungen habe ich meine Fragen ein wenig erweitert:

  1. Brauche ich das noch?
  2. Wofür genau brauche ich das noch?
  3. Was genau passiert, wenn ich es nicht mehr habe?
  4. Kann ich es ggfs. zum gleichen Preis wiederbeschaffen?
  5. Kann jemand anderes das vielleicht besser gebrauchen als ich?

Ich hatte bis vor Kurzem wieder eine ganze Menge Klamotten, die ich eigentlich gern noch mal anziehen würde. Aber wenn ich sie die letzten Jahre nicht an hatte, brauche ich sie dann wirklich noch? Nein, natürlich nicht. Alles was tatsächlich passiert wenn ich es nicht mehr habe ist, dass ich nicht mehr so viel Schrank- oder Lagerplatz benötige. 1 Jahr nicht angehabt = weeeeg!

Bei größeren Sachen wie z.B. Autos oder Motorrädern stelle ich mir die Frage, ob ich wirklich an diesem speziellen Objekt hänge oder an dem Modell. Meistens geht es um das Modell oder ums Ego. Wenn ich also etwas verkaufe, kann ich es zu dem Preis meist auch jederzeit wiederbeschaffen. Also weg damit und sich freuen, dass man sich nicht mehr drum kümmern muss. Mit meinem Freund Flint habe ich gerade genau dieses Thema im Bezug auf sein Motorrad gehabt. Meine Freundin meinte zu ihm, dass er es behalten solle, wenn es ihm wichtig ist. Ich bin hingegen der Meinung, dass er es verkaufen sollte und das Geld anders verwenden soll, wenn er es derzeit sowieso nicht fahren kann. Er kann es sich ja jederzeit wieder kaufen oder sogar ein besseres. Das Flintmobil steht meines Wissens aktuell zum Verkauf.

Weitere Tipps für ebay Verkäufe

Mittlerweile habe ich nicht mal mehr Möbel, da ich nur noch möblierte Wohnungen miete. Ich brauche sie in meiner aktuellen Lebensphase nicht, also weg damit. Wertvollere Sachen lassen sich meist gut über ebay loswerden. Dummerweise ist es aber auch ein unglaublicher Aufwand, Sachen bei ebay zu versteigern. Sachen putzen, Fotos machen, Texte ausdenken, einstellen, Geldeingang überwachen, Sachen verpacken und auch noch versenden. Da ich lieber Umsatz mache als mich um Verpackung und Versand von ebay-Sachen zu kümmern, habe ich mir ein paar Regeln aufgestellt.

  1. Versuche jemanden zu finden, der dir deine Sachen verkauft und teile mit ihm 50:50. Nutze die gewonnene Zeit, um ggfs. mehr Einkommen zu generieren.
  2. Findest du niemanden, verschenke alles was unter 50 € bringt. Der Aufwand lohnt sich einfach nicht.
  3. Den Rest schnellstmöglich verkaufen und frei sein.

Die Freiheit des Nicht-Habens

Ich lache immer, wenn meine Mutter neue Messer oder Töpfe kauft, aber die alten weiter benutzt, weil die ja noch gut sind. Für mich ist es die pure Freiheit, kaum noch etwas zu haben, das ich nicht verwende. Die Sachen, die ich habe, benutze ich auch und wenn ich etwas neu anschaffe, fliegt das alte mit der Verpackung der Neuanschaffung in den Müll.

Mein Lager in München misst aktuell noch 1,5 qm und das auch nur, weil ich meine Buchhaltung und Jahresabschlüsse 10 Jahre aufbewahren muss. Mein Auto habe ich auch verkauft, da ich in den Städten schon länger nur mit Car2go und Drive Now unterwegs bin. Die Miete kostet weniger als die Parkgebühr oder Bahntickets für zwei Personen und man kann die Autos einfach irgendwo abstellen. Ich achte aber auch drauf, dass ich da wohne, wo ich das meiste zu Fuß erledigen kann. Brauche ich ein Auto, miete ich eines. Die ersten 2 Monate in Palma haben wir einen wirklich saugünstigen Mietwagen gehabt. Aber fußläufig zum Zentrum wohnend haben wir die Karre einfach kaum benutzt. Vielleicht schaffe ich mir demnächst wieder ein Motorrad an. Zum Spass und zur Fortbewegung.

Ich kann es euch nur empfehlen, macht euch frei von altem und nutzlosen kram, es wird euch freier und glücklicher machen. Und stellt die Freiheit nicht gleich wieder mit irgendeinem Scheiss voll. Ich lehne sogar Geschenke ab, die nur dem Staubfang dienen. Ich lade Freunde stattdessen lieber zum Essen ein.

Wie gehst Du mit dem Ausmisten und Wegschmeissen um? Was kannst du nicht wegschmeißen und musst selber drüber lachen? Los, erzähl mal.

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Bonus: Umzug mit einem Smart

Mein Umzug mit einem Smart in Bildern. Vor einem anstehenden Umzug hatte ich angefangen die ersten Sachen mit dem Smart ‘rüberzufahren. Ich fand das eigentlich ganz lustig und habe dann geschaut wie weit ich damit gehen kann. Einzige Regel war eigentlich, es muss alles IM Smart sein und ich muss frei sitzen, gucken, schalten und lenken können. Selbst bei der Matratze war der Beifahrerspiegel noch zu benutzen. Lediglich der Bettrahmen und ein Regal mussten mit einem größeren Auto transportiert werden. Hier nur schnell ein paar Ausschnitte davon.

Titelfoto: Mein Lager, nachdem sich wieder zu viel angesammelt hat.

4 Comments

  • Ralf sagt:

    Haha Oliver, sehr humorvoll geschrieben. Ich habe kein Foto gemacht, weil ist ja in meinem Kopf, sonst könnte ich dir den Bürostuhl als Sozia auf der Motorradsitzbank präsentieren. Auspuff auf der einen und Rückenlehne nach unten, auf der anderen Seite. ?

    Alles was nicht bis zum Auszug verkauft werden konnte, kam unter den Briefkasten zum Hausbasar oder wurde persönlch verschenkt. Uuinnndd es dauerte viel zu lange Stück für Stück zu überlegen, ob ich das noch GEbrauche oder nicht. Kiste gefüllt, mit den Dingen die ich benutze und selbst da haben sich ein paar Sachen reingemogelt. Besonders lustig: Trillerpfeife, Räucherstäbchenhalter und Briefwaage.

    Bei mir ist es aktuell ein kleiner Alukoffer voll mit Büroartikeln. Muss immer schmunzeln, wenn ich daran denke. Nach meinem letzen Umzug, habe ich ihn noch nicht wieder aufgemacht. weeeegg ?

    • Ralf, vielen Dank für Dein Feedback! Ich mag mir die Geschichte mit dem Bürostuhl gar nicht vorstellen und frage mich natürlich, ob das Rollenkarussell sich dabei im Wind gedreht hat und ein rythmisches tok-tok-tok… an den Helm geklopft hat?

  • Gerade lese ich meinen Artikel mal wieder. Mittlerweile reicht mir ein Koffer, um alle meine wichtigen Habseligkeiten von A nach B umzuziehen, ohne dass es mir an etwas fehlt. 😉

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