Erfahrung Fallschirmspringen – Lebst Du noch?

DAYDIVE - Add Happiness To Your Life - Erfahrung Fallschirmspringen - Lebst Du noch?

Fallschirmspringen – Wie du innerhalb von 11 Minuten herausfinden kannst wozu du fähig bist? Spring einfach und genieß die turbulentesten, aufregendsten und geilsten 11 Minuten deines Lebens! Dein Leben wird danach nicht mehr das gleiche sein.

Kennt ihr das, wenn alle um euch herum irgendwie erwachsener sind als ihr? Ich brauchte zu einer solchen Zeit einen externen Anstoß, einen Kick. Etwas, das mir unmissverständlich klar macht, dass ich zu mehr fähig bin.

Gefährliche Brandung

So bin ich eines Abends auf den Film „Gefährliche Brandung“ gestoßen. Kein Meisterwerk aber die Fallschirmszenen sind geil. Kaum war der Film auf RTL zu Ende, kam er im ORF noch mal und anschließend im Nachtprogramm von RTL wieder. 3 Mal Gefährliche Brandung hintereinander und ich dachte: FALLSCHIRMSPRINGEN, DAS IST ES! Ich gehe Fallschirmspringen! YouTube gab es 1994 übrigens noch nicht.

70 Leute gefragt, 20 haben zugesagt

Ich fragte alle meine Freunde, ob sie mitkommen zum Fallschirmspringen. Natürlich sagten meine großen, erwachsenen Freunde alle, dass sie natürlich dabei sind! Was meint Ihr, wie viele sind mitgekommen, als der Termin fest stand? Na? 20 erste Zusagen … die ganzen Großkopferten … okay, ich mache es kurz: Ich bin allein gefahren.

Fallschirmspringen als Wendepunkt im Leben

Flugplatz Hartenholm, irgendwo in der Mitte Schleswig-Holsteins. Kurze Einweisung für den Tandemsprung und dann geht es los. 9 Fallschirmspringer und ein Pilot zwängten sich wie Handgepäck in die kleine Maschine. Nach ein paar Metern verliert die Blechente den Boden unter den Füssen und beginnt dem Himmel entgegenzukreiseln. Die Sonne schraubt im 2-Minuten-Takt um uns herum, bis wir 4.100 Meter über dem Meer eine gefühlte Vollbremsung machen.

Der Flug endet hier, alles aussteigen!

Im Leerlauf verliert die Maschine massiv an Fahrt. Die Lemminge werden unruhig und kaum ist die Tür aufgezogen, fallen die Irren einer nach dem anderen wie Flugzeugmist aus dem Flieger. Eben noch eine Sardine in der Dose und plötzlich ist alles leer.

Kalte Leere, Zeit zum Nachdenken

Der Motor dröhnt nicht mehr, die kuschelige Wärme ist einem kalten Wind gewichen und zwischen mir und dem Loch in der Flugzeugwand fehlt jede schützende Barriere. Keine lachenden Mitspringer, die mich grad noch gewärmt und abgelenkt haben, keine Stewardess verabschiedet mich mit einem Schokoladenherz.

Ohne Not aus dem Flugzeug springen?

In diesem Moment kommt die Angst. Mit dem Fallschirmprofi auf dem Rücken arschrutsche ich in kleinen Schüben über den Boden, gen Abgrund. Was mache ich hier? Der Flieger brennt nicht, warum soll ich aus einem funktionierenden Flugzeug aussteigen? Kann ich nicht einfach wieder mit zurückfliegen? Auf der anderen Seite habe ich aber bezahlt. Mit jedem Arschrutsch wechseln die Gedanken hin und her: spring – mach’s nicht – spring – mach’s nicht – spring! Rutsch – rutsch – rutsch, während der Arsch gen Absprungkante rutscht, rutschen die Gedanken vor und zurück und das Herz in die Hose.

Es ist so weit, ich hänge außen an einem Flugzeug

Wir haben das Trittbrett erreicht. Wie ein Kängurukleines hänge ich an meinem Sprunglehrer überm Abgrund.  Der Profi brüllt mir „Alles klar!?“ ins Ohr. Alles klar?? Nein, nichts ist klar! Ich hänge gerade wie Captain Ahab draußen, festgezurrt an diesem fliegenden weißen Wal! Ich mache mir gleich in die Hose! Gar nichts ist klar! Ich will Heim…! In meinem Kopf schreien die Gedanken alle möglichen Sachen durcheinander, unhörbar für meinen Siamesischen Sprungzwilling. Ich fasse das Ergebnis meiner Ängste mit einem stummen Kopfnicken zusammen. Zu spät, für ein Nein.

Ready … Set … Go!

Meine auf dem Rücken festgezurrte Fallschirmspringkompetenz schwingt uns im Takt vor und wieder zurück: „READY …. SET … GOOOO….!“ geht es kopfüber der Welt entgegen. Aus 4.100 m sieht man Schleswig-Holstein wie auf der Landkarte. Nord- und Ostsee, Dänemark, Hamburg… Eigentlich total schön. Unwirklich schön. Ich habe gerade komplett andere Probleme.

Fall ins Leere

Wir kippen nach vorn. Kopf voraus ins Leere! Ungebremste Beschleunigung! Das Fallen ins absolute Nichts scheint nicht aufzuhören! Ich versuche bei Bewusstsein zu bleiben! Ich versuche zu atmen. Den Magen zwischen den Knien! Es ist kalt! Ich atme immer noch angestrengt! Es wird laut in den Ohren! Es wird schnell! Pures Adrenalin! Pure Action! Ich lebe! Gott, ist das geil!

Die Erde zoomt

Nach 10 Sekunden sammeln sich die Sinne langsam wieder zwischen den Ohren. Nach 10 Sekunden Beschleunigung ist die Luft endlich fest genug, um uns abzubremsen. Der Wind brüllt weiter an den Ohren vorbei. Die Wangen haben sich unter der Brille gesammelt und flattern leis vor sich hin. Alle Arme und Beine sind ausgestreckt. Wir kacheln der Erde entgegen, die immer größer wird. Weiter atmen. Wir fangen an ein paar Drehungen zu machen. Eine kleine Änderung der Handhaltung bring sofort eine zackige Drehung mit sich.  Auf 1.500 m fallen wir durch ein Loch in den Wolken. Die stille Schäfchenebene macht die Geschwindigkeit deutlich, mit der wir fliegen. Wuschhhhh… verschwindet die Wolkenebene, die ich eben noch die ganze Zeit vor mir hatte, aus meinem Augenwinkel. Was für eine Fahrt! Kometenhaft rasen wir auf die nichts ahnende Welt zu. Pure Geschwindigkeit, pure Freiheit, mit rein gar nichts mit der Erde verbunden. Einfach nur frei von allem. Hör bitte nicht auf! Was für ein Gefühl!

Totenstille

Bevor die Erde auf 100% zoomt, öffnet sich sanft der Schirm. Kein Ruck und kein Schock, es ist plötzlich totenstill und wir hängen teebeutelgleich am Fallschirm. 3.000 m Höhenunterschied in 1 Minute hinterlassen Druck auf den Ohren. Nach dem Druckausgleich sind die Ohren wieder frei und die Totenstille weicht einem beruhigenden leisen Flattern des Fallschirms. Was für eine wahnsinns Abfolge von Emotionen, in den letzten 60 Sekunden! Noch vor 1 Minute habe ich mir fast in die Hose gemacht vor Angst und versucht bei Bewusstsein zu bleiben, um dann unter Windkrach und Speed freudig auf die Erde zuzurasen und jetzt ist es einfach nur ruhig und klosterstill. Plötzlich zoomt nichts mehr amokmässig auf mich zu, alles scheint eher in Zeitlupe zu passieren. Am Fallschirm hängend kann man die Entfernung zwischen den Füssen und dem Boden nicht abschätzen. Es wirkt als ob man auf einer riesigen Postkarte steht. Die Bewegungen sind jetzt gemütlich statt zackig. Wir schweben 10 Minuten kreisend durch die Unwirklichkeit und genießen die Welt von oben. Einfach nur wunderschön, so ruhig hier oben zu sein.

Zoomstufe 100% – Glücksstufe 200%

Die Landung gestaltet sich am Ende als eher unspektakulär. Die Erde zoomt die letzten Prozent ein und wir landen in einer kurzen Kurve locker im Stand. Ungeduldig muss ich warten, bis man mich von allen Gurten von meinem Siamesischen Zwilling getrennt hat. Durchgepustet und einfach nur glücklich mache ich als erstes das, was Erstspringer wohl immer machen: Den Absprungpunkt im Himmel suchend starre ich nach oben und schreie einfach nur laut, vor Glück!

Was ich von diesem Sprung gelernt habe

Die Abfolge dieser Emotionen ist einfach nur der Hammer. Unbeschreiblich fantastisch und meiner Meinung nach gibt es nichts besseres. Ich meine, wo wird man in so kurzer Zeit komplett ein mal durch das Gefühlsportfolio gedreht? Mein Tipp: unbedingt machen, denn:

  1. Es gibt keine aufregendere Erfahrung auf der Welt
  2. Viele sagen, dass sie einen Fallschirmsprung machen wollen
  3. Nur wenige trauen sich wirklich, ohne Not ein fliegendes Flugzeug zu verlassen
  4. Wenn du diese Angst überwinden kannst, aus einem Flugzeug zu springen, kannst du alles
  5. Dein Leben wird sich komplett verändern, denn Du kannst alles

Unsere Angst hemmt uns immer wieder im Leben, mal sehr bewusst, mal mehr unbewusst. Nach meiner Sprungerfahrung 1994 habe ich vor allem mir selbst gezeigt, dass ich zu allem fähig bin. Seit dem hält mich nichts mehr auf in meinem Leben, außer mir selbst. Seit dem ist mein Lebensmotto: Add Happiness To Your Life! Und der Name „DAYDIVE“ hängt sehr nah mit meiner Skydive Erfahrung zusammen.

DAYDIVE – Kopfüber in den Tag

Wie gehst du mit deiner offensichtlichen Angst wie Geschwindigkeit oder Höhe um? Bist du schon mal ohne Not aus nem Flugzeug gesprungen? Hat dich mein Text motiviert nen Tandemsprung auszuprobieren? Los, erzähl mal!

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Foto: © freefly – Fotolia.com

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